Wie verlauml;uft der Leseprozess im Geschichtsunterricht fuuml;r Schuuml;ler:innen, die neu in das deutsche Bildungssystem einsteigen ndash; und welche Faktoren beeinflussen ihr Verstehen? Diese Studie untersucht an der Schnittstelle von Deutsch als Zweitsprache und Geschichtsdidaktik die Bedingungen des Lesens im Geschichtsunterricht. Im Fokus stehen die Erfahrungen von Seiteneinsteiger:innen sowie die Perspektiven der Lehrkrauml;fte, die im Rahmen einer qualitativ?explorativen Untersuchung mithilfe von Unterrichtshospitationen, Interviews und Materialanalysen erhoben wurden. Methodisch ist die Arbeit in der Grounded Theory Methodology nach Strauss und Corbin (1996) verankert, anhand derer die komplexen Einflussfaktoren historischer Leseprozesse systematisch herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse zeigen drei zentrale Einflussdimensionen: sprachliche, sozial?affektive und geschichtsspezifische Faktoren. Zudem wird deutlich, dass Unterstuuml;tzungsmaszlig;nahmen stets zwischen kurzfristiger Hilfe und dem langfristigen Aufbau von Disciplinary Literacy ausbalanciert werden muuml;ssen. Ihre Wirksamkeit hauml;ngt wesentlich von der bewussten Auswahl und Zugauml;nglichkeit durch die Lehrkraft sowie von den Mouml;glichkeiten der Lernenden ab, Unterstuuml;tzung gezielt einzufordern. Lernwirksam wird Geschichtsunterricht besonders dann, wenn hohe fachliche Anforderungen mit reflektierter sprachlicher Unterstuuml;tzung verbunden werden. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Forschung zu sprachbewusstem Fachunterricht und bietet Impulse fuuml;r eine kritisch?reflexive Sprachsensibilitauml;t in schulischen Bildungsprozessen.